Fülle ist gottgegeben - was bedeutet das?

 

Es bedeutet, dass allumfassende Fülle unser Ausgangszustand ist. Wir SIND diese Fülle im "Alpha" wie im "Omega". Im Ursein, der Quelle, der wir nicht entspringen, sondern die wir selbst SIND und nie verlassen. Alpha und Omega sind also ebenfalls nicht wirklich existent, sondern nur vorüberziehende Bewusstseinszustände, die jedoch stets "gefüllt" sind vom einen und einzigen Urfeld, das in sich nie beginnt und nie endet.

 

Was jedoch geschieht ist eine Bündelung, Fokussierung einer Aufmerksamkeitsenergie, die in diesem Ursein enthalten ist. Vergleichbar mit dem Bild des Flimmerns eines Fernsehers, welches früher manchmal nach Sendeschluss zu sehen war. Stellen wir uns vor, dieses Blitzen und Vibrieren von Pünktchen ist unser Urzustand. Wir SIND dieses Rauschen, das Nichts oder die Leere, wie Buddhisten sie nennen. Die Leere, die jedoch zugleich das ALLES enthält, das Feld des reinen Potentials.

Wir strahlen, vibrieren in einem nicht-wollenden und daher sich in völligem Gleichgewicht befindlichen Seinszustand (Nirvana - nicht brennen/nicht wollen). Dann geschieht ein Impuls, ein Wunsch, eine Intention ward im Geiste geboren. Und dies bewirkt eine Bündelung, der absichtlos vor sich hin vibrierenden Ursprungskraft. Je länger die Fokussierung anhält, desto klarer und dichter formt sich aus dieser Kraft heraus ein Abbild, welches der ersten Zielsetzung entspricht.

Eine Intention, die als Impuls auf der geistigen Urzustandsebene begann, bildet sich also ab mithilfe kontinuierlicher geistiger Konzentration. Es nimmt sukzessive die Form an, die der Urintention entspricht. Je länger der Akt der Fokussierung anhält, desto dichter, manifester und kraftvoller wird diese Verbildlichung.

 

Im rauschenden Fernseher entsteht also z.B. das Bild eines Ringes, wenn die Geisteskraft des Feldes sich auf die Form eines Ringes konzentriert. Aus den vielen herumsausenden Pünktchen formt sich durch den Magnetismus der Konzentrationskraft das Bild des Ringes. Die Pünktchen fügen sich dem Willen des Schöpfers (der Geisteskraft), von welchem sie jedoch nicht getrennt sind. Sie sind und bleiben Teil von ihm, mit all den Signaturen, Kräften und Talenten  des gesamten Urfelds ausgestattet. Das ist der Tanz des Entstehens und Vergehens. Lässt die Kraft der Fokussierung nach oder richtet sich auf Neues, muss die vorherige Schöpfung unweigerlich vergehen.

 

Belebung oder "Verlebendigung" eines Bildes entsteht dann, wenn die Bündelung der Urkraft so intensiv, so wollend und konsequent erfolgt, dass ein Teil dieser insistierenden Kraft sich in einer Kulmination heraus katapultiert aus dem geistigen Urfeld in das Bild hinein. 

Es ist vergleichbar mit dem Höhepunkt im sexuellen Akt. Das Drängen und Begehren, die Kanalisation kulminiert im Orgasmus und Absondern von "Destillaten". Nur dass im sexuellen Akt dieser Prozess auf der rein körperlichen, unbewussten Ebene abläuft. Nur in den wenigsten Momenten legen wir in diesen Moment des Orgasmus einen Wunsch hinein, weil die biologische Tendenz diejenige ist, dass beim Sex der Wahrnehmungsfokus mehr auf Körper als auf Geist gerichtet ist. 

 

Aus dem Feld des reinen Potentials heraus formt sich also durch plötzliche Potenzierung des Willens nicht nur das Bild, sondern es stülpt sich gleichsam eine Art Blase heraus, die das zuvor nur eindimensionale Ringbild belebt. Aus dem Ring wird eine Kugel, die sich bewegen und weiter, aus sich heraus verändern kann.

Eigenleben, das sich aus dem Urfeld herausgeschält hat durch konsequente, gezielte Fokussierung, auch Wille genannt. Diese Kugel trägt alle Eigenschaften, alle Kräfte und Fähigkeiten des Urfelds in sich. Ja ist noch nicht einmal wirklich getrennt von ihm. Sie bewegt sich nach wie vor in ihrem Urfeld und bleibt "durchdrungen" von ihm, hat sich jedoch durch die Willenskonzentration für eine Weile aus dem "Unbewegtes-Alles-Sein" heraus fokussiert. Um eine Erfahrung der Andersartigkeit, Begrenzung, Verdichtung zu machen. Es trägt dabei alle Schöpfungskräfte weiterhin in sich, nimmt jedoch alles aus einem konzentrierterem, verdichteten Zustand wahr. Es ist Akteur oder Gefangener seiner eigenen Willenskraft, nun verhaftet, identifiziert mit dem Wunschgebilde seines Willens. Die Gefahr hierbei ist, zu vergessen, dass es im Urzustand nicht die Kugel ist,  sondern das Feld selbst!

Wenn es in den Schlaf des Vergessens fällt, bleibt es ewig im sekundären herausformierten Zustand verankert, ewig im Bewusstsein der Trennung, des Kleinseins.

 

Irgendwann regt sich dann die subtilen Ahnung, dass da etwas fehlt, dass das noch nicht alles ist, dass da irgendwann mal mehr war. Und die Suche beginnt, der innere Antrieb zur Formierung und Belebung eines Wunschgebildes nach dem anderen. Erlösung kann dies jedoch niemals bringen, weil sich dieses Entstehen und Vergehen ja doch nur auf der sekundären Ebene der Herausgeschältheit abspielt. Befreiung, endgültige Befriedigung, Rückkehr in die einzige, wahre , absolute Fülle vollzieht sich nur dann, und dann allmählich ganz von selbst, wenn die Erinnerung daran erwacht, dass wir ALL-ES, das Urfeld, reines Potential sind. Wenn wir beginnen zu erahnen, dass nur im Urfeld keine Bedürfnisse mehr bestehen, weil alles bereits vollständig ausgefüllt ist.

 

Dieses zurück erinnern beginnt mit Momenten des Stillstands, der geistigen Einkehr. Reorientierung der Sinne, die sich nicht mehr tastend, fokussierend und wollen nach außen richten, sondern nach innen. In die Stille der Absichtslosigkeit, in den inneren Raum ohne Bilder, ins Vibrieren, Strömen unsers gegenwärtigen Seins.

 

Damit beginnt die Heimkehr in die Quelle. Die vor langer Zeit in Schlaf gefallenen höheren Geistesfunktionen erwachen von selbst. Und sie sind es, die sachte, sachte beginnen, die Dichtheit der gegenwärtigen Erfahrung zu durchdringen, zu lockern und aufzulösen. Mit diesem ersten Auflösen entsteht ein Loslassen vom krampfhaften Gebündeltsein. Der Zwang, alles unter Kontrolle zu haben und zu halten, der sich sowohl körperlich als auch geistig ausdrückt im Alltag eines sich lange vom Urfeld getrennt wähnenden Menschen, lässt langsam nach. Momente des Erlaubens lockern die Dichtheit seiner Lebenserfahrung auf. Und mit diesen Momenten des Erlaubens strömt, Strahlen einer Sonne gleich, die durch eine Wolkendecke dringen, die Kraft des Urfelds in sein Bewusstsein. Diese Urkraft, derer Existenz er sich nun wieder bewusst ist, weil er ihre Andersartigkeit in den stillen Momenten innerer Einkehr gekostet hat, zeigt zudem Wirkung. 

 

Exponentiell potenter als die bloße Willenskraft eines sich getrennt glaubenden Menschen, bewirkt die Urkraft schnelle Veränderung auf zugleich mannigfacheren Ebenen. Wo reine Willenskraft eindimensional und linear wirkt, manifestiert Urkraft multidimensional und sofort.

 

"Wisse dass ich bin und ich BIN", das ist Wirken von Urkraft!

Im Moment der Empfängnis, des Wunschimpulses, ist es bereits vollbracht.

 

Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass ein Mensch der noch nicht gereift oder "zurück gelehnt" genug ist, diese spontane Verwirklichung einfach nicht wahrnimmt. Sie entgeht ihm, nicht etwa weil sie nicht geschehen ist, sondern weil er nicht daran glaubt, dass sie überhaupt oder so schnell möglich ist. Sein lineares Zeitdenken beeinflusst seinen Radar so, dass er diese sofortige Wahrwerdung einfach nicht erfasst. Stattdessen bemüht und bemüht er sich, konzentriert sich, will und will, verstrickt sich in Aktionen und Willensakten.

 

Ein Mensch der völlig zurück gekehrt ist in das Urfeld, das er IST, erfüllt Wünsche und Bedürfnisse für diese Ebene der menschlichen Identifikation, rein durch Bewusstseinsverschiebung. Von der Wahrnehmung eines Mangels in einem Bereich fokussiert er sich hin in den Zustand der Erfüllung und weiß, dass es so IST.

 

Alles weitere ist gelassenes Abwarten, ruhiges Fokussieren und friedvolles Blicken.

Denn er WEISS, dass Fülle wirklich gottgegeben ist und Gott und er EINS sind.

 

 © 2020 Monika Jalil. Alle Rechte vorbehalten.

Dieser Text darf mit Hinweis auf Autorin und Copyright kostenlos geteilt, jedoch nicht verändert werden.

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